Auf der DIGITAL X in Köln fragte kaum noch jemand, ob Unternehmen KI einsetzen sollten. Im Mittelpunkt stand, wie sie im Alltag funktioniert und wer sie umsetzt. Fünf Beobachtungen und was sie für Unternehmen und IT-Fachkräfte bedeuten.

KI ist in den Unternehmen angekommen

Die DIGITAL X im Kölner Rheinauhafen hat in diesem Jahr gezeigt, wie breit die Debatte um KI inzwischen geführt wird. Auf den großen Bühnen sprachen unter anderem Angela Merkel, Robert Habeck, Alena Buyx und Yuval Noah Harari, in den Masterclasses ging es um industrielle KI, souveräne Infrastruktur, Cloud, Cybersecurity und Future Skills. 

Bei eAces besetzen wir vor allem Management- sowie IT- und KI-Rollen. Uns hat deshalb besonders interessiert, was Unternehmen brauchen, um KI bei den Unternehmen zu integrieren und welche Kompetenzen dafür gefragt sind. 

Über das Ob wird kaum noch diskutiert. Laut einer im September veröffentlichten Bitkom-Umfrage setzen inzwischen 57 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein. Ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren gerade einmal 20 Prozent. Fast neun von zehn dieser Unternehmen sagen allerdings, dass sie das Potenzial von KI kaum oder gar nicht ausschöpfen. Die eigentliche Frage ist also, wie KI so in eine Organisation eingebaut wird, dass sie wirklich Vorteile bringt, sicher betrieben wird und verantwortbar bleibt. 

Weniger Showcase, mehr Maschinenraum

In den Masterclasses ging es weniger darum, was KI alles erzeugen kann, als darum, was man braucht, um sie im Unternehmen ernsthaft zu betreiben. Bei „SAP x T-Systems: Leistungsstarke KI für ein digital souveränes Europa“ und bei „Industrial AI in der Praxis“ mit Wandelbots und SupplyOn drehte sich vieles um Rechenkapazitäten, Unternehmensdaten, Plattformen, Sicherheit und Compliance. Kurz gesagt: um den Maschinenraum. 

Laut Eurostat nutzten 2025 20 Prozent der Unternehmen in der EU mit mindestens zehn Beschäftigten KI, nach 13,5 Prozent im Vorjahr. Bei großen Unternehmen lag der Anteil bei 55 Prozent, bei mittleren bei 30 und bei kleinen bei nur 17 Prozent. Als mögliche Gründe nennt Eurostat selbst die Komplexität der Einführung, Skaleneffekte und die Kosten. 

Die Sessions in Köln haben deutlich gemacht, dass produktive KI weit mehr voraussetzt als die Lizenz für ein Chat-Tool. Die aktuellen Bitkom-Zahlen weisen in dieselbe Richtung. Unternehmen, die KI bereits nutzen, nennen als große Kostenpunkte vor allem Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung (51 Prozent), die Aufbereitung von Daten (50 Prozent) und die Integration in bestehende Systeme (41 Prozent). Abos und Lizenzen für KI-Software zählen dagegen nur 21 Prozent dazu. Entsprechend breit ist der Bedarf an Know-how: Neben Data Science geht es um Cloud-Architektur, Datenintegration, IT-Security und Compliance. 

Vom Assistenten zum Agenten

Eine der aufschlussreichsten Folien des Tages stellte generative und agentische KI gegenüber. Generative KI erstellt auf Anfrage Texte, Bilder oder Empfehlungen, der Mensch behält jeden Schritt in der Hand. Agentische KI verfolgt dagegen ein Ziel, greift auf andere Systeme zu und arbeitet eine Abfolge von Aufgaben ab. Damit kann sie nach und nach ganze Teile eines Geschäftsprozesses übernehmen. 

Wie das im Onlinehandel aussehen kann, beschreibt die Marktforschungsplattform ECDB in ihrem Report „Agentic Commerce and AI in E-Commerce“: von der KI, die bei der Produktsuche hilft, bis zum Agenten, der Einkäufe und Nachbestellungen komplett eigenständig erledigt. Nach Einschätzung von ECDB steht der Markt noch auf der ersten von vier Stufen, die Richtung ist aber klar. Auch in Deutschland rücken Agenten auf die Agenda. Von den Unternehmen, die KI nutzen oder deren Einsatz planen oder diskutieren, setzen laut Bitkom 11 Prozent bereits KI-Agenten ein, 29 Prozent planen es und weitere 31 Prozent diskutieren darüber. 

Die nächste Phase der KI-Transformation wird nicht allein von besseren Modellen entschieden. Den Unterschied macht, wie konsequent Unternehmen Technik, Abläufe und Menschen zusammenbringen.

Horst Niederberger, Geschäftsführer der eAces GmbH 2026 Quote

Ernüchternd ist eine Prognose von Gartner zum Vertrieb. Bis 2028 soll es dort zehnmal so viele KI-Agenten geben wie Menschen. Gleichzeitig rechnet Gartner damit, dass weniger als 40 Prozent der Vertriebsmitarbeitenden sagen werden, die Agenten hätten sie produktiver gemacht. Vertriebsverantwortliche, die Daten, Automatisierung und Nutzererlebnis grundlegend überarbeiten, sollen dagegen fünfmal häufiger einen ROI aus KI erzielen als diejenigen, die auf schnelle Lösungen setzen. Entscheidend ist also nicht die Zahl der Tools, sondern wie gut sie in Daten, Abläufe und Systeme eingebunden sind. 

Ein neues Tool macht noch keinen besseren Prozess

Sobald KI nicht mehr nur antwortet, sondern selbst handelt, wird ihre Einführung zur Organisationsfrage. Wer darf was entscheiden? Welche Schritte übernimmt ein Agent, welche bleiben beim Menschen? Und wer steht dafür gerade, wenn ein automatisierter Ablauf danebenliegt? Solche Fragen begegnen uns in Transformationsprojekten ohnehin ständig. Mit KI werden sie dringlicher. 

Ein Bericht des World Economic Forum und PwC zeigt, wie zwiespältig die Effekte sein können: 68 Prozent der befragten Berufseinsteigerinnen und -einsteiger sagen, dass sie durch KI produktiver geworden sind, 45 Prozent arbeiten seitdem aber insgesamt mehr. Zugleich gestalten Unternehmen mit den besten KI-getriebenen Finanzergebnissen ihre Arbeitsabläufe doppelt so häufig neu, statt KI-Tools einfach in die bestehenden Abläufe zu packen. 

Das deckt sich mit unserer Erfahrung aus Kundenprojekten. Wer von KI wirklich profitieren will, muss an Schnittstellen, Zuständigkeiten und Entscheidungswege ran und klären, wie Menschen und KI im Alltag zusammenarbeiten. Dabei verändern sich bestehende Aufgaben, und es entstehen neue, etwa rund um die Steuerung und Kontrolle von KI-Systemen. 

Die Technik ist schneller als die Weiterbildung

Für uns als Personalberatung besonders relevant war die Masterclass „Future Skills sichtbar machen: Vom Stärkencoach zum digitalen Begleiter“. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Fähigkeiten Menschen in einer Arbeitswelt mit KI brauchen. 

Die Unternehmen reagieren bereits. Laut Bitkom schulen inzwischen 70 Prozent ihre Beschäftigten im Umgang mit KI, und der Anteil derer, die gar keine Schulungen anbieten, ist innerhalb eines Jahres von 43 auf 25 Prozent gesunken. Der Nachholbedarf bleibt trotzdem groß: Zwei Drittel der Unternehmen schätzen die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten als gering ein. Laut WEF und PwC arbeiten in Europa zudem 63 Prozent der jungen Beschäftigten in Berufen, deren Aufgaben in mittlerem bis hohem Maß von KI-bedingten Veränderungen betroffen sind. Das heißt nicht, dass diese Jobs wegfallen, wohl aber, dass sich die Anforderungen verschieben. 

Für Unternehmen heißt das zweierlei. Sie müssen ihre eigenen Leute weiterentwickeln, und zwar jetzt und nicht erst nach dem nächsten Pilotprojekt. Und für manche Themen brauchen sie Fachleute von außen, weil das Know-how intern schlicht noch fehlt, etwa bei KI-Architektur, Datenmanagement oder KI-Governance. Gefragt sind dabei oft flexible Modelle, von der Festanstellung bis zum projektbezogenen Einsatz. Wie groß die Lücke ist, zeigt eine weitere Zahl: Der Bitkom-Umfrage zufolge fehlt 85 Prozent der Unternehmen ohne KI das technische Know-how für die Umsetzung. 

Für IT- und KI-Fachkräfte gilt umgekehrt: Gefragt sind vor allem diejenigen, die nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch verstehen, wie sie in Prozesse, Daten und Governance eingebettet wird. Beim Blick auf die Beschäftigung ergibt sich allerdings ein gemischtes Bild. Wie Bitkom ermittelt hat, rechnen 57 Prozent der Unternehmen damit, dass KI in den nächsten zwei Jahren Stellen kostet. Unternehmen, die KI bereits nutzen, erwarten aber doppelt so häufig wie andere, dass ihre Belegschaft wächst (18 gegenüber 9 Prozent). 

KI ist längst auch ein politisches Thema

Auch in den Panels, Interviews und Vorträgen mit Politiker, Soziologen und Philosophen, Wissenschaftlern und CEOs, wie u.a. den Ministerpräsidenten aus NRW- Hendrik Wüst und Bayern – Markus Söder, der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem ehemaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck, dem Soziologen Harald Welzer, dem Philosophen Richard-David Precht oder dem Historiker Yuval Noah Harari, nahm das Thema KI und deren Einfluss in alle Lebensbereiche breiten Raum ein. Es geht um Souveränität, Verantwortung und ethische Grenzen. Das sieht auch die Bevölkerung so. Einer weiteren Bitkom-Umfrage zufolge gehen 76 Prozent der Deutschen davon aus, dass KI die Gesellschaft bereits verändert oder spätestens in fünf Jahren spürbar verändern wird. 

Entsprechend genau schauen Kunden, Beschäftigte und Gesetzgeber hin, wie Unternehmen KI einsetzen. Auch die Regulierung macht sich bemerkbar: Laut Bitkom gehen 37 Prozent der Unternehmen davon aus, als Anwender vom EU AI Act betroffen zu sein, nach 23 Prozent im Vorjahr. 89 Prozent der Betroffenen und derjenigen, die das noch prüfen, rechnen mit einem hohen Umsetzungsaufwand. Wer KI einführt, sollte das von Anfang an mitdenken.

Den Unterschied machen Abläufe und Menschen

Die nächste Phase der KI-Transformation wird nicht allein von besseren Modellen entschieden. Den Unterschied macht, wie konsequent Unternehmen Technik, Abläufe und Menschen zusammenbringen. Dazu gehören eine solide Infrastruktur und saubere Daten, aber auch neu gedachte Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und Leute, die mit der Technik umgehen können und wollen. 

Das ist weniger glamourös als die nächste Produktankündigung. An dieser Stelle entscheidet sich aber, ob aus einem Pilotprojekt etwas wird, das im Alltag trägt. Und bei der Frage nach der passenden Expertise lohnt es sich, über die einzelne Stelle hinaus auf das ganze Team zu schauen. 

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